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Vier Thesen zu Social Media im Wahlkampf

Heller Flur Querformat

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Die US-Wahlnacht in Berlin

Die US-Wahl 2016 wurde weltweit live verfolgt. In Berlin haben CNN, n-tv und Stern zum Event “Amerika wählt” in der Berliner Bertelsmann-Repräsentanz geladen. Die UDG United Digital Group war neben der Botschaft der Vereinigten Staaten von Amerika, der Atlantik-Brücke, der American Academy in Berlin und Google als Partner dabei und hat auf Facebook und Twitter live von der Veranstaltung berichtet.

Zusammen mit rund tausend geladenen Gästen der Berliner Polit- und Entertainment-Prominenz wurde bis in die frühen Morgenstunden über die Digitalisierung und ihre Auswirkungen auf Politik und Parteien sowie die innen- und außenpolitischen Implikationen dieser Wahl diskutiert – und natürlich mitgefiebert.

Ein Highlight war die Diskussionsrunde zur Rolle der Social Media im digitalsten Wahlkampf aller Zeiten: Jessica Peppel-Schulz, CEO der UDG United Digital Group, Isabelle Sonnenfeld von Google, der Internet-Unternehmer Hans Raffauf und der SPD-Politiker Lars Klingbeil sprachen über die Gefahren von Social Bots und die Bedeutung einer integrierten Strategie für Social Media.

Die wichtigsten Thesen des Abends:

1. Social Media verdrängen in ihrer Massivität die Einordnung durch Journalisten

Kampagnen haben Nachrichtenmedien als Bezugsquelle für Informationen so gut wie abgelöst und Politiker nutzen eigene Plattformen wie beispielsweise „FactCheck“ & „The Briefing“ zur Klarstellung von eigenen und gegnerischen Positionen. Das führt zur einseitigen Verbreitung der eigenen Position, zum Beispiel durch Livestreams von Events.

Zusätzlich findet eine extreme Reduktion von Inhalten auf teilbare Memes statt: Die Memefizierung des Wahlkampfes fand sowohl durch die Nutzer, als auch durch die Kandidaten selbst statt. Trump zum Beispiel hat soziale Medien meisterhaft zur Stimmungsmache genutzt, Clinton blieb vorrangig dabei, eigene Positionen zu publizieren.

2. Der Einfluss von Social Media auf Wahlergebnisse steigt

Soziale Netzwerke haben einen großen Einfluss auf die Wahl, da sie das Medium sind, in dem sich die Menschen informieren, erklärt Derk Marseille von DuitslandNews. Für die Kandidaten wird deshalb eine faktisch solide, authentische Kommunikation immer wichtiger.

3. Trump erreicht auf Social Media Menschen, die dort bislang nicht vorne mit dabei waren

Der TV-Moderator Patrice Bouedibela glaubt, dass der Erfolg von Trump auf Social Media damit zusammenhängt, dass der Kandidat mit seinen Posts auch jene angesprochen hat, die mit sozialen Netzwerken sonst nicht so gut zurechtkommen.

4. Politiker sollten Social Media (verantwortungs)bewusst nutzen

Wie wichtig Social Media sind, zeigt Jörg Buddenberg von CNN zufolge die Tatsache, dass Berater von Trump ihm vor der Wahl die Kontrolle über seinen Twitter-Account entzogen haben – aus Angst, er könne mit unüberlegten Äußerungen seine Chancen schmälern. Zudem glaubt er, dass Influencer einen großen Einfluss auf das Stimmungsbild der Wähler haben können.

Der Wahlabend hat noch einmal verdeutlicht, wie wichtig der Einsatz von Social Media für die Parteien in den USA gewesen ist. Trump konnte durch eine deutlich höhere Polemik und Posting-Frequenz die Masse motivieren, während Hillary Clinton vergleichsweise sachlich in Social Media agiert hat.

iese Erkenntnis hat Auswirkungen auf die Bundestagswahl 2017 in Deutschland: Die Parteien müssen es endlich schaffen, mit echten Konzepten zu überzeugen und mit emotionalem und gleichzeitig faktenbasierten Content ihre Zielgruppe anzusprechen. Dazu zählen:

  • Echtzeit-Reaktion auf aktuelle Ereignisse

  • humorvolle und informative Kommunikation

  • kurze, knackige Übersetzung von Positionen in Bewegtbild-Formate.

Deutsche Parteien haben noch ein knappes Jahr Zeit zu üben. Wir halten die Augen offen nach gelungenen Beispielen – und verabschieden uns von Barack Obama, der uns als erster gezeigt hat, wie man Social Media professionell im Wahlkampf einsetzt.

Juliane Krause-Akelbein

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Juliane Krause-Akelbein