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Was ist dran an Jodel?

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Witzig, lokal und anonym

Jodel, was ist das eigentlich? „Eine Studentenapp“, antworten viele. Doch so einfach ist es nicht, denn die Themen der Social-Media-Anwendung sind inzwischen breiter gefächert als Uni, Lernen und Prüfungen.

User posten Nachrichten oder Fotos, die von anderen Nutzern im Umkreis von rund zehn Kilometern gelesen, bewertet und kommentiert werden können. Wer aktiv ist, bekommt Punkte – sogenannte „Karmapunkte“. Karma deshalb, weil man für negative Postings und Kommentare Punkte abgezogen bekommt.

Die Anmeldung ist komplett anonym. Nutzer hinterlegen keine Mailadresse, keine Telefonnummer oder sonstige Kontaktdaten. Einzig und allein der Appdownload genügt, um direkt „loszujodeln“.

Sortiert werden die Jodel nach Postingzeit, den meisten Kommentaren und den meisten Upvotes. Jodel mit den meisten Upvotes innerhalb einer Stunde heißten Topjodel. Außerdem kann in Channels gepostet werden. Der Mainchannel ist für alle Themen bestimmt. Darüber hinaus gibt es auch spezifische Kanäle. So erzählen unter #berufsgeheimnisse Arbeitnehmer, wie es in ihrem Job zugeht.

Und was jodelt man so?

Alles – naja, natürlich hat auch Jodel AGB, in denen klare Regeln für den Gebrauch der App aufgestellt sind. So darf beispielsweise der Inhalt aktueller Serien nicht gespoilert werden. Auch Reposts sind verhasst und können gemeldet werden. So bezeichnet man Jodel, die bereits an einem anderen Tag oder in einer anderen Stadt gepostet wurden und nun wiederholt verwendet werden. Nutzern tun dies, um Karmapunkte zu sammeln, in der Hoffnung, nicht entlarvt zu werden.

Werden alle Regeln eingehalten, kann es direkt losgehen. Hier ein paar Leckerbissen aus der App:

„Ich liege mit Grippe zu Hause und bekomme gerade so noch ein „Papa? Tee?“ raus. Darauf antwortet mein Vater: „Nein danke, habe keinen Durst“. #DankePapa

„Wenn Uni-Professoren Schwimmlehrer wären: Hier ist das Wasser, den Rest kennen Sie ja!“

„Ich hasse es, wenn ich 10 kg für eine Filmrolle zunehme und dann merke, dass ich gar keine Schauspielerin bin.“

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Weitere Jodel-Insider sind zum Beispiel der Hashtag #DLRH, was ausgeschrieben „Den Lörres rein hämmern“ bedeutet. Im Endeffekt ist es nur ein Synonym für Sex. Auch Kommentare wie „biste w, haste kik?“ werden oft geschrieben. KIK ist ein Messenger, der auch weitestgehend anonym benutzt werden kann. Nutzer tauschen ihre Nutzernamen aus und können dann miteinander schreiben. Jede Frau auf Jodel, die sich auch als solche zu erkennen gibt, wird also höchstwahrscheinlich den Kommentar „biste w (weiblich), haste kik?“ schon einmal bekommen haben.

Ins #archiv schaffen es alle Jodel, die herausragen. Das können spannende Stories sein, die viele Leute kommentiert haben, lustige Sprüche, die viel Aufmerksamkeit bekommen haben, oder einfach nur schöne Bilder.

Inwiefern ist Jodel für Unternehmen interessant?

Noch nicht, denn Jodel ist werbefrei. Momentan finanziert die App sich komplett durch Investoren. Auch AGB verbieten kommerzielle Postings. In der Vergangenheit haben Unternehmen trotzdem versucht, auf der Plattform für sich zu werben. Im Channel „Jobs“ haben beispielsweise über einen kurzen Zeitraum hinweg vermehrt User über eine Zeitarbeitsfirma für Studenten gepostet. Das Unternehmen wurde sehr positiv dargestellt und auf Anfrage versuchten die User sogar, Jobs zu vermitteln. Doch die Jodel-Community ist nicht nur groß, sondern auch gnadenlos. Wenn Regeln nicht beachtet werden, wird eingeschritten. Versuche von Unternehmen, sich als User auszugeben und dadurch Werbung für sich zu machen, werden meist erkannt und unterbunden.

Es bleibt jedoch abzuwarten, ob Jodel noch lange ohne Werbung auskommt. Wenn das Unternehmen einen Schritt in diese Richtung macht, könnte die Plattform für Marketingzwecke durchaus nützlich sein – auch wenn die Anonymität definitiv eine Hürde darstellt.

Marcus Schneider

Über den Autor

Marcus Schneider

Marcus Schneider ist Junior Social Media Manager bei der UDG United Digital Group und als @marcusberlin auf Instagram aktiv. Eigentlich kommt er vom Film, hat eine Ausbildung zum Kaufmann für audiovisuelle Medien gemacht und ist teilweise selbst als Komparse vor der Kamera gestanden.